Landrat Dr. Rainer Haas zieht positive Bilanz:

„Naturschutzprojekt ,Life rund ums Heckengäu‘ ist im Landkreis Ludwigsburg erfolgreich umgesetzt worden“

Ziegen beweiden einen Steilhang im Naturschutzgebiet „Roter Rain“ in Vaihingen-Roßwag.
Ziegen beweiden einen Steilhang im Naturschutzgebiet „Roter Rain“ in Vaihingen-Roßwag.

Schafheiden, blumenbunte Magerrasen und Heuwiesen sowie landschaftsprägende Streuobstwiesen stehen im Landkreis Ludwigburg im Brennpunkt des fünfjährigen Naturschutzprojektes „Life rund ums Heckengäu“. Während die offizielle Laufzeit noch bis Ende August läuft, ist die Durchführung der Landschaftspflegearbeiten inzwischen abgeschlossen – Anlass für Landrat Dr. Reiner Haas, eine positive Bilanz zu ziehen: „Das Naturschutzprojekt ,Life rund ums Heckengäu‘ ist im Landkreis Ludwigsburg erfolgreich umgesetzt worden.“

Schafheiden, blumenbunte Magerrasen und Heuwiesen sowie landschaftsprägende Streuobstwiesen stehen im Landkreis Ludwigburg im Brennpunkt des fünfjährigen Naturschutzprojektes „Life rund ums Heckengäu“. Während die offizielle Laufzeit noch bis Ende August läuft, ist die Durchführung der Landschaftspflegearbeiten inzwischen abgeschlossen – Anlass für Landrat Dr. Reiner Haas, eine positive Bilanz zu ziehen: „Das Naturschutzprojekt ,Life rund ums Heckengäu‘ ist im Landkreis Ludwigsburg erfolgreich umgesetzt worden.“

Mit dem EU-Projekt ,Life rund ums Heckengäu‘, an dem neben den vier Landkreisen Ludwigsburg, Böblingen, Calw und Enzkreis die Regierungspräsidien Stuttgart und Karlsruhe sowie die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg beteiligt sind, wurden im Landkreis Ludwigsburg seit 2012 rund 14 Hektar brachgefallene Magerrasen und artenreiche Blumenwiesen entbuscht. Diese werden nun wieder beweidet oder regelmäßig gemäht. Auf insgesamt 33 Hektar Streuobstwiesen erfolgten im Vogelschutzgebiet und Naturpark Stromberg weitere Maßnahmen. Brachgefallene Streuobst-Bestände mit einer Fläche von 18,5 ha wurden wieder in Pflege genommen. Darüber hinaus wurden nahezu rund 1000 Obstbäume fachgerecht so geschnitten, dass diese nicht vergreisen und als „Habitat-Bäume“ ihre wichtige Funktionen für Höhlenbrüter wie Wendehals und Halsbandschnäpper möglichst lange erfüllen können. Zudem wurde in Vaihingen-Roßwag ein dauerhafter Ziegenzaun im Naturschutzgebiet Roter Rain errichtet, der die Offenhaltung des dortigen Steilhanges durch Beweidung ermöglicht.

„Die hoch gesteckten Projektziele konnten damit in vollem Umfang erreicht werden“, so Dr. Rolf Gastel, der als Naturschutzexperte beim Landratsamt Ludwigsburg die Umsetzung des Life-Projektes betreut und vor allem auch die Leistung der vor Ort arbeitenden Partner lobt: „Die mit der Durchführung beauftragten und spezialisierten Landschaftspflegebetriebe haben in den meist schwierigen Hanglagen ihr Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt.“

Brachgefallene Streuobstwiesen und zugewachsene Magerrasen sind Sorgenkinder des Naturschutzes. Wo die Böden schlecht und die Hanglagen steil sind, lohnt sich die arbeitsintensive Bewirtschaftung in vielen Fällen schon lange nicht mehr. Mit Büschen und Bäumen zuwachsende jahrhundertealte Kulturlandschaften sind die Folge. So gehen nicht nur seit der Kindheit tief ins Bewusstsein eingravierte und Identifikation und Heimat vermittelnde Landschaftsbilder verloren, sondern auch die in solchen Lebensräumen ganz besonders große Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Wertvolle Gebiete nur unter Schutz zu stellen, reicht daher bei weitem nicht aus. Wo traditionelle und naturverträgliche Nutzungen unrentabel geworden sind, werden Landschaftspflegemaßnahmen nötig, um artenreiche Biotope zu erhalten.

Alle Maßnahmenflächen sind Bestandteil des europäischen Schutzgebietsnetzes NATURA 2000, für das die EU-Mitgliedsstaaten geeignete Flächen gemeldet hatten und auf denen die Vorkommen bestimmter Lebensräume mit ihrer gefährdeten Tier- und Pflanzenwelt nach internationalen Verpflichtungen geschützt und erhalten werden müssen. In diese Gebiete wer- den aber auch vorrangig die Fördermittel für Landschaftspflegemaßnahmen gelenkt. Über „Life+“-Projekte werden diese von der Europäischen Union zu 50 Prozent gefördert.

Landkreis, Städte und Gemeinden und Landwirtschaft sind im Landkreis Ludwigsburg schon seit langem in Naturschutz und Landschaftspflege partnerschaftlich engagiert. Mit den zusätzlichen EU-Geldern sowie Mitteln von Land, Landkreis (Eigenanteil 126.500 Euro) und der Stiftung Umwelt- und Naturschutz der Kreissparkasse Ludwigsburg (35.000 Euro) von insgesamt 343.000 Euro konnten wichtige zusätzliche Landschaftspflegeimpulse gesetzt und Chancen genutzt werden. Über reine Naturschutzaspekte hinaus trägt das Life-Projekt aber auch dazu bei, gerade im dicht besiedelten Ballungsraum attraktive Naherholungs- und Naturerlebnisbereiche zu erhalten.

Einen der Maßnahmenschwerpunkte bilden die Schafheiden in der Schäferlaufstadt Markgröningen. Im Naturschutzgebiet Leudelsbachtal und in den Naturdenkmalen im Glemstal wurden 11 Hektar Verbuschungsbereiche wieder freigestellt. Durch die Maßnahmen erfolgte nicht nur eine flächenhafte Aufwertung. Zusätzlich konnten Biotopverbundstrukturen und Triebwege zwischen den auseinander liegenden Kalkmagerrasen wesentlich verbessert werden. Eine Vielzahl von Orchideen und anderen, nicht nur im Landkreis Ludwigsburg seltenen Pflanzenarten wird davon profitieren. Aber auch die schwierige Arbeit des Markgröninger Stadtschäfers wird dadurch in Zukunft erleichtert.

Die Arbeiten in Streuobstwiesen konzentrierten sich im Stromberg auf die Sachsenheimer Gemarkungen Häfnerhaslach, Ochsenbach und Spielberg sowie das Streitenbachtal bei Vaihingen-Gündelbach. Dort wurden zudem insgesamt über einen Kilometer lange Heckenabschnitte über Pflegemaßnahmen verjüngt und auf den Stock gesetzt. Im dortigen Vogelschutzgebiet Stromberg geht es vorrangig um die Optimierung der Lebensräume für die charakteristischen Vogelarten, wie Grünspecht, Halsbandschnäpper, Neuntöter und Wendehals sowie der artenreichen Blumenwiesen mit Salbei und Wiesenbocksbart. Auch hier werden die Flächen anschließend über schonende Beweidungsprojekte oder Mahd offen gehalten werden, die über den Vertragsnaturschutz organisiert werden.

Hintergrundinformationen zu den Markgröninger Heidegebieten:

Auch im Landkreis Ludwigburg waren Schafheiden und Wanderschäferei früher bedeutsam. Durch den starken Flächenverbrauch im Zuge der Industrialisierung, durch landwirtschaftlichen Strukturwandel, aber auch Aufforstungen sind über 90 Prozent der früheren Schafheiden verloren gegangen – die Zahl der Schafe ist noch weit stärker gesunken. Die Restbestände werden heute von Landwirten im Auftrag von Naturschutzverwaltung und Kommunen mit Fördergeldern des Landes als Magerrasen gemäht und erhalten. In Markgröningen, wo die alten Traditionen des Schäferlaufs und der Schafbeweidung bis heute lebendig sind, befinden sich im Naturschutzgebiet Leudelsbachtal sowie im Glemstal die wertvollsten Heidegebiete im Landkreis Ludwigsburg.

Eine Vielzahl von an Wärme und Trockenheit angepassten und selten gewordenen Tier- und Pflanzenarten wie Küchenschelle, Fransenenzian und Golddistel sowie andere botanische Kostbarkeiten konnten dort bis heute überleben. Vom Frühling bis in den späten Herbst sind dort Blütenteppiche ausgebildet, die Lebensgrundlage für Schmetterlinge und zahlreiche Wildbienenarten sind und ausreichend Nektar für deren Entwicklung sowie „Treibstoff“ für den summenden Flugbetrieb liefern. Vorkommen zahlreicher Orchideenarten wie Mücken- händelwurz und Helmknabenkraut führen dazu, dass gerade diese Heidegebiete als „prioritäre Lebensräume“ einen besonderen Schutzstatus nach EU-Recht aufweisen und Entwicklungsmaßnahmen durch Entbuschungen erforderlich werden. Durch diese wird aber auch die mühsame Arbeit des Schäfers wieder erleichtert.

Hintergrundinformationen zum Naturschutzprojekt „Life rund ums Heckengäu“:

Die Landkreise Böblingen, Calw, Enzkreis und Ludwigsburg arbeiten mit der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg, dem Regierungspräsidium Karlsruhe sowie dem Landesbe-trieb Gewässer bei „LIFE rund ums Heckengäu“ eng zusammen. Im Landkreis Ludwigsburg wurden innerhalb des Projekts Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von 343.000 Euro umgesetzt, von denen der Landkreis 126.500 Euro trägt. Das Projekt „LIFE rund ums Heckengäu“ ist mit insgesamt 1,82 Millionen Euro ausgestattet und wird von der EU mit 50 Prozent aus dem Förderprogramm LIFE+ bezuschusst. Weitere Mittel kommen vom Regierungspräsi-dium Stuttgart. Die Entbuschung von Streuobstwiesen und der Pflegeschnitt der Obstbäume wurden zudem von der Stiftung Umwelt- und Naturschutz der Kreissparkasse Ludwigsburg mit 35.000 Euro unterstützt.

Das Naturschutzprojekt „LIFE rund ums Heckengäu“ soll die nach EU-Recht besonders geschützten Lebensräume und Arten in den sogenannten Fauna-Flora-Habitat- und Vogelschutzgebieten erhalten und fördern. Weitere Informationen zum Projekt finden Interessierte unter www.life-heckengaeu.de im Internet. 15.7.2016