Landrat Dr. Rainer Haas übergibt Dr. Joachim Ronge Bundesverdienstkreuz im Kreishaus

„Es ist Ihnen gelungen, Psychiatrie alltagstauglich zu machen und Vorurteile gegenüber psychisch Kranken abzubauen“

Landrat Dr. Rainer Haas (rechts) übergab im Kreishaus Dr. Joachim Ronge das Bundesverdienstkreuz.
Landrat Dr. Rainer Haas (rechts) übergab im Kreishaus Dr. Joachim Ronge das Bundesverdienstkreuz.

Das Bundesverdienstkreuz überreicht hat Landrat Dr. Rainer Haas im Kreishaus am Montagabend Dr. Joachim Ronge, langjähriger Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Klinik in Ludwigsburg. Der Chef der Kreisverwaltung hob in seiner Laudatio hervor, dass Ronge „als Gründer und Gestalter der Klinik geschätzt wird und sich über Jahrzehnte neben der klinischen Betreuung ehrenamtlich auch für die außerklinische Betreuung psychisch Kranker in den Städten und Gemeinden engagiert hat“.

„Sie haben sich in den zwei Jahrzehnten als Chefarzt der Psychiatrischen Klinik und auch danach, im Ruhestand seit 2000, immer für die Belange von psychisch kranken Menschen eingesetzt. Ihr Engagement ging weit über die Erfüllung Ihrer beruflichen Pflichten hinaus“, fuhr Landrat Haas, an Ronge gewandt, fort. Dieser habe zwei große Anliegen verwirklicht: eine würdige und wohnortnahe Vollversorgung für psychisch kranke Menschen nach der klinischen Behandlung durch außerklinische Einrichtungen und Fachdienste sowie die gleichgestellte Behandlung von psychisch Kranken und somatisch Kranken. Dafür habe Ronge zahlreiche flankierende Projekte verwirklicht, beispielsweise die Einrichtung einer Beschäftigungstherapie, der Ausbau eines Gebäudes auf dem Ludwigsburger Areal „Königsallee“ zu einer Tagesklinik, die Einrichtung von zwölf Arbeitstherapieplätzen im damaligen Neubau der Rehabilitationswerkstatt auf der Ludwigsburger Karlshöhe, eines Hartplatzes und einer Laufstrecke für die Frei-Therapie sowie einer Wohnstätte für psychisch behinderte Menschen im Mitteltrakt des Gebäudes in der Königsallee. „Die Psychiatrische Klinik, die 1994 von der Königsallee in die direkte Nachbarschaft des Ludwigsburger Klinikums zog und dabei erweitert wurde, bildet mit den heute zwei Tageskliniken das Kernstück der Versorgung psychisch kranker Menschen im Landkreis“, stellte Haas fest.

Neben seiner ärztlichen Tätigkeit im Krankenhaus initiierte Ronge 1982 die Einrichtung eines Sozialpsychiatrischen Dienstes in der Trägerschaft des Landkreises und gründete 1989 den „Förderverein für Psychisch Kranke und Behinderte Ludwigsburg e. V.“, der 2000 in „Verein zur Förderung Psychischer Gesundheit e. V.“ umbenannt wurde. Aus diesem ging 2001 die PsychoSoziales Netzwerk (PSN) gGmbH hervor. Ziel des Vereins war, die Lebensbedingungen für psychisch kranke Menschen zu verbessern und hierzu auch die außerklinische Psychiatrie weiterzuentwickeln. „Der Verein hat unter Führung von Dr. Ronge seinen Aufgaben- und Verantwortungsbereich stetig erweitert und wurde zu einem wichtigen Träger für soziale Dienste für psychisch Kranke. Er verstand sich als Lobby für die Betroffenen und als Motor für weitere Entwicklungen“, sagte der Landrat. Als Beispiele für das Wirken des Vereins nannte er die Übernahme der Trägerschaft des Psychosozialen Dienstes 1991, des Fachdienstes zur beruflichen Eingliederung Behinderter 1995 und die Zusammenfassung der Fachdienste zum Integrationsfachdienst 2001. Als Gründer des Vereins war Ronge von Anfang an ehrenamtlich engagiert und als Vorstandsmitglied bis zur Vereinsauflösung 2013 tätig. Auch in der PSN gGmbH blieb Ronge Berater und Mitglied im Aufsichtsrat. „Die PSN gGmbH übernimmt wichtige soziale Aufgaben für psychisch Kranke und Behinderte im Landkreis und widmet sich der Eingliederung dieser Menschen in den Arbeits- und Gesellschaftsprozess. Die PSN gGmbH hat weitere Werk-, Wohn- und Tagesstätten sowie Anlauf-, Beratungs- und Vermittlungsstellen in verschiedenen Städten und Gemeinden im Landkreis realisiert“, hob Haas hervor.

„Es ist Ihnen über die Jahre hinweg gelungen, die Psychiatrie, die Psychotherapie und die psychosomatische Behandlung alltagstauglich zu machen und Vorurteile gegenüber psychisch Kranken abzubauen. Sie haben sich stets für die Eingliederung psychisch Kranker und Behinderter in die Arbeitswelt und die Gesellschaft eingesetzt und die wohnortnahe Behandlung und Versorgung gefördert“, sagte Haas zu Ronge. Dieser habe neue Netzwerke und Initiativen geschaffen, um Unterstützungsmöglichkeiten für psychisch kranke Menschen zu erschließen und Therapien zu verbessern. Dabei habe er nie den Gesamtzusammenhang und das Zusammenspiel der Akteure aus den Augen verloren. „Von menschlichen Idealen geprägt, haben Sie sich über Jahrzehnte mit ganzem Herzen und aus Überzeugung für psychisch kranke Menschen eingesetzt und sich außerordentliche Verdienste um deren Behandlung und Betreuung erworben“, so das Fazit des Chefs der Kreisverwaltung. 11.5.2015