Landrat Dr. Rainer Haas erhält italienischen Verdienstorden „Cavaliere dell’Ordine della Stella d’Italia“

Generalkonsul Daniele Perico: Sie setzen sich seit vielen Jahren für jene Werte und Grundsätze ein, die uns als Bürger Europas verbinden

Daniele Perico (links), Generalkonsul der Republik Italien in Stuttgart, überreichte Landrat Dr. Rainer Haas den Verdienstorden.
Daniele Perico (links), Generalkonsul der Republik Italien in Stuttgart, überreichte Landrat Dr. Rainer Haas den Verdienstorden.

Mit dem italienischen Verdienstorden im Range eines „Cavaliere dell’Ordine della Stella d’Italia“ ist Landrat Dr. Rainer Haas per Dekret des mittlerweile ehemaligen italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano ausgezeichnet worden. Daniele Perico, Generalkonsul der Republik Italien in Stuttgart, überreichte ihm in einer festlichen Veranstaltung am Montagabend im Großen Sitzungssaal des Kreishauses die hohe Auszeichnung. „Ich möchte von italienischer Seite ein würdiges Zeichen der Dankbarkeit und Anerkennung setzen gegenüber einer Person, die sich seit vielen Jahren in Baden-Württemberg für jene Werte und Grundsätze einsetzt, die uns als Bürger Europas verbinden. Sie sind bei der Erfüllung Ihrer institutionellen Aufgaben stets der Überzeugung gefolgt, dass die Regionen und die Gemeinden den Bürgerinnen und Bürgern am nächsten sind, weshalb wir auf dieser Ebene auch die Fundamente für unser gemeinsames Europa errichten müssen“, sagte Perico in seiner Laudatio. Zur Bildergalerie. 

Er erinnerte an Jean Monnet, einen der Gründerväter des vereinten Europas, der darauf hingewiesen hat, dass man nicht Staaten, sondern Menschen zu vereinen hat: „Aus diesem Grunde müssen wir unsere Bürgerinnen und Bürger daran beteiligen und dem Europa der Regionen ein Gesicht geben. Es handelt sich hierbei um eine Grundeinstellung, wonach Europa von unten nach oben zu schaffen ist und die Überzeugung im Geiste der Bürger wurzelt. Kein anderer als Sie, Herr Dr. Haas, hat diesen Grundgedanken auf vorbildlichere und herausragendere Weise gefördert und in die Tat umgesetzt, und zwar auf allen Ebenen. Angefangen bei den Partnerschaften, bei denen sich Gemeinden zweier Länder begegnen und kennenlernen dürfen und die Sie – wie wir wissen – persönlich begleiten und unterstützen.“ In diesem Zusammenhang nannte Perico die seit über 30 Jahren bestehende Partnerschaft zwischen Sersheim und Canale in Piemont sowie die Partnerschaften zwischen Hemmingen und Almenno San Bartolomeo in der Provinz Bergamo, zwischen Oberstenfeld und Verbicaro und zwischen Remseck und Vigo di Fassa. Eine weitere zwischen Eberdingen und Almenno San Salvatore stehe in den Startlöchern. „Die Partnerschaften zwischen Gemeinden, Landkreisen und Regionen erweisen sich immer mehr als die tragenden Säulen bei der Vereinigung von Bürgern, vor allem wenn es darum geht, die verschiedenen kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten zu kennen und zu achten.“

Dies habe seinen Niederschlag auch im wirtschaftlichen Bereich gefunden, so Perico weiter. Er führte den jährlichen Spätlingsmarkt im Kreishaus an, bei dem regelmäßig Produkte aus Bergamo angeboten werden, sowie die Kontakte zwischen den Industrie- und Handelskammern. Das europäische Bewusstsein werde immer wichtiger, da Europa vor großen Herausforderungen stehe und die europäische Gesetzgebung immer stärker das Leben der Bürgerinnen und Bürger in Europa betreffe. An diesem Punkt setze Haas an, indem er an internationalen Konventen und Konferenzen teilnehme und auf diese Weise einen wichtigen Beitrag liefere, „wenn es darum geht, auf der einen Seite die Abgeordneten der verschiedenen Parlamente für die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger in Europa zu sensibilisieren und auf der anderen für Europa unter den Bürgern zu werben“.

Für die Unterstützung der italienischen Gemeinschaft im Bezirk des Konsulats durch Landrat Haas führte Perico ein Beispiel an: „2009 konnte dank Ihres lobenswertes Engagements ein ,Italienischer Tag für Bildung und Schule‘ in Ludwigsburg durchgeführt werden, an dem auch die damalige Ministerin Maria Böhmer und der italienische Botschafter Antonio Puri Purini mitgewirkt haben.“ Maßgebend sei für Haas dabei stets das gemeinsame Bewusstsein gewesen, dass die Regionen und Gemeinden eine führende Rolle bei der Schaffung Europas spielen und damit auch Pericos Landsleute, die in anderen europäischen Mitgliedsstaaten leben. Perico fuhr fort: „Wenn wir von Bürgerinnen und Bürgern der Europäischen Union sprechen, meine ich vor allem die junge Generation. In sie müssen wir investieren, damit sie die tatsächlichen Hauptdarsteller in diesem Prozess werden, nach dem Motto ,Europa sind wir‘. Wir müssen für Kontakte, Begegnungen und Austausch sorgen, was durch Partnerschaften leicht machbar ist. Dass Sie dies alles erkannt haben, bezeugt Ihre kontinuierliche Zusammenarbeit mit der Hochschule in Sachen Europa.“ Zum Schluss sagte Perico: „Der Präsident der Republik Italien hat Ihnen für Ihr großes Engagement in der Verbreitung der Werte, die uns als Bürgerinnen und Bürger Europas verbinden, den Verdienstorden ,Stella d’Italia‘ verliehen.“ Danach zeichnete er Haas mit dem Orden aus.

Zuvor hatte Manfred Hollenbach, stellvertretender Vorsitzender des Kreistags, die Gäste begrüßt. Haas‘ Engagement als Vizepräsident der Deutschen Sektion des Rats der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE) sowie als Vorsitzender des Kreisverbands der Europa-Union im Landkreis Ludwigsburg unterstreiche, so Hollenbach, wie wichtig diesem der Blick über die Landkreisgrenzen hinaus auf Europa sei. „Es ist Ihnen stets ein Anliegen, den Bürgerinnen und Bürgern Europa näherzubringen und die Menschen zusammenzuführen“, stellte Hollenbach fest. Er erinnerte daran, dass Haas unter anderem dafür 2009 bereits den französischen Orden der Ehrenlegion erhalten hat. Haas habe als Dozent an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg schon vor seiner Zeit als Landrat zusammen mit Prof. Geppert ein Europa-Seminar an der Hochschule angeboten. „Durch Ihr Engagement als Dozent traten Sie mit Prof. Barzanò, Rektor der italienischen Partnerhochschule der Hochschule für Verwaltung Ludwigsburg, in Kontakt. Prof. Bazanò vermittelte den Kontakt zur Verwaltung der Provinz Bergamo und zum Präsidenten Valerio Bettoni, woraus 2002 erste freundschaftliche Kontakte zur Provinz Bergamo entstanden, die seitdem gepflegt werden.“ Dies zeige sich nicht zuletzt an den besonderen und genussvollen Begegnungen auf dem Spätlingsmarkt, aus denen sich weitere freundschaftliche Begegnungen, beispielsweise im Bereich Kunst und Kultur sowie zwischen Schülerinnen und Schülern, ergeben hätten. „Sie sind auch privat, aus voller Überzeugung, mit Herz und Verstand und mit allen Sinnen, für Europa unterwegs“, stellte Hollenbach abschließend fest.

Als dritter Redner sprach Prof. Alberto Barzanò von der Università Cattolica del Sacro Cuore in Mailand. Er stellte seine langjährige Freundschaft mit Haas und die Freundschaft Italiens mit Deutschland in den Mittelpunkt seines Grußworts: „Dank Deiner Freundschaft zu Italien und zu den Italienern und aufgrund Deiner ständigen Bereitschaft, mit vielen italienischen Ansprechpartnern zusammenzuarbeiten und so viele gemeinsame Initiativen zu fördern, sind viele und gute Fortschritte in den Beziehungen zwischen unseren Ländern festzustellen.“ Er erinnerte daran, dass Haas auch den Kontakt zwischen dem Landkreistag Baden-Württemberg und der entsprechenden Vereinigung der Provinz Lombardei vermittelt hat. „Wir hoffen, dass die gemeinsame Arbeit, die wir gestartet haben, viel mehr Menschen als uns beiden die Möglichkeit eröffnet, eine wahre und tiefe Freundschaft zu begründen. Die Institutionen ändern sich und die einzelnen Projekte werden abgeschlossen, doch die Freundschaften bleiben“, bilanzierte Barzanò.

Zum Schluss bedankte sich Landrat Haas für die Auszeichnung und die Redebeiträge. Dass ihm die Ehrung zuteilwerde, habe ihn überrascht und erfreut. Durch Reisen nach Italien in seiner Jugendzeit habe er schon früh einen persönlichen Bezug zu dem Land bekommen. Auch er zählte die zahlreichen Begegnungen, Veranstaltungen, Austausche und Berührungspunkte auf, die es zwischen dem Landkreis Ludwigsburg und insbesondere der Provinz Bergamo gibt. Danach kam er auf Europa zu sprechen: „Die Staatschefs machen Verträge und gestalten Europa auf höchster Ebene – gelebt wird Europa aber auf kommunaler Ebene, bei den Menschen, in den Gemeinden, Städten und Landkreisen. Wir haben den direkten Kontakt zu den Menschen: Wenn wir Europa nicht vermitteln können, dann wird es schwierig. Ich bin froh, dass wir diese Aufgabe tatkräftig und mit Erfolg angepackt haben.“ Als Beispiel nannte er die Europakonferenz des Landkreises im Kreishaus 2007, an der auch eine Delegation aus der Provinz Bergamo teilnahm. Er dankte allen, „die mich unterstützt haben, insbesondere auch den aktuellen und früheren Kreisräten, ohne deren tatkräftige Unterstützung dies nicht möglich gewesen wäre – dieser Verdienstorden gehört auch Ihnen“. Haas schloss mit den Worten: „Es lebe die Freundschaft zwischen Italien und Deutschland!“

Das Quintett des Handharmonika-Clubs 1932 Ditzingen e. V. umrahmte die Festveranstaltung mit Stücken von Rossini, Chatschaturjan und Verdi. 13.10.2015