Informationsveranstaltung zur Erhaltung der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft

Was Landwirte und Jäger zur Lebensraumerhaltung für Rebhuhn, Feldhase und Co. Beitragen können

Die gemeinsam von Kreisbauernverband, Kreisjägervereinigung, Landesjagdverband, Landratsamt und Landschaftserhaltungsverband (LEV) Ludwigsburg organisierte Informationsveranstaltung richtete sich insbesondere an die Landwirte und Jäger im Landkreis Ludwigsburg sowie auch an Interessierte aus Naturschutzverbänden und Kommunen. Ziel der Veranstaltung war es, zusammen Möglichkeiten zu erörtern und gemeinsame Vorgehensweisen aufzuzeigen, wie den starken Bestandsrückgängen von Feldbrütern und anderen Tieren des „Offenlandes“ – das sind nicht überbaute und nicht durch Gehölzvegetation dominierte Gebiete – entgegenwirkt werden kann. Die stattliche Zahl von mehr als 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zeigte, dass die drohenden Verluste ursprünglich häufig in unserer Kulturlandschaft vorkommender Arten zunehmend ins öffentliche Bewusstsein rücken.

 

Nach einem einleitenden Grußwort von Umweltdezernent Dr. Christian Sußner gab zunächst René Greiner vom Landesjagdverband mit seiner Vorstellung des landesweiten Projekts „Allianz für Niederwild“ einen umfassenden Einstieg in das Thema.

 

Die Landschaftsökologin Dr. Sabine Geißler-Strobel informierte im Anschluss über die aktuellen Bestandssituationen typischer Feldbrüterarten, wie Rebhuhn, Feldlerche und Schafstelze, und erläuterte die nötigen ökologischen Anforderungen an die Lebensräume dieser Arten. Ausgehend von aktuellen Forschungsergebnissen stellte sie mehrere Maßnahmen zur wirksamen Verbesserung der Lebensraumsituation von Offenlandarten vor. So können die Ansprüche der Feldvögel an Deckung, Nahrung und Brutstätten wirkungsvoll durch die Anlage von ausreichend breiten Blühstreifen in Ackergewannen oder das Belassen von Stoppeläckern und Brachen erfüllt werden. Auch das sogenannte Auf-das-Stock-Setzen von hohen, durchgewachsenen Baumhecken hilft Feldbrütern, da sie zu diesen hohen Strukturen – genauso wie zu Waldrändern – große Abstände halten.

 

Luise Pachaly, Leiterin des Fachbereichs Landwirtschaft im Landratsamt Ludwigsburg, gab in ihrem Vortrag einen Überblick über die Agrarstruktur und die Situation der landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis und stellte die vielfältigen gesetzlichen Vorgaben und agrarpolitischen Zwänge dar, mit denen Landwirte konfrontiert sind. Vor diesem Hintergrund warb sie für gegenseitiges Verständnis zwischen Landwirten, Jägern und Ökologen, da nur auf dieser Basis wirkungsvolle Maßnahmen erfolgreich und nachhaltig von den Landwirten realisiert werden können. Im zweiten Teil ihres Vortrags stellte Frau Pachaly Fördermöglichkeiten, wie FAKT und Greening, zur Lebensraumoptimierung für Offenlandarten aus dem Bereich der Agrarförderung vor.

 

Charlotte Ritter vom LEV Ludwigsburg stellte Fördermöglichkeiten für geeignete Maßnahmen nach der Landschaftspflegerichtlinie (LPR) dar. Sie ging dabei insbesondere auf die Anlage von Blühstreifen und Blühflächen ein.

 

Christina Haessler vom Landwirtschaftsamt in Sinsheim stellte anhand anschaulicher Beispiele und mit vielen Fotos gelungene Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung für Offenlandarten im Rhein-Neckar-Kreis vor. Dort läuft schon seit mehreren Jahren ein Modellprojekt zur Erhaltung der Biodiversität in der Agrarlandschaft. Ausgehend von den bisherigen Erfahrungen gab sie praktische Hinweise und Tipps für die Umsetzung wirksamer Maßnahmen und wies auch auf mögliche bürokratische Fallstricke hin.

 

In der abschließenden lebhaften Diskussion standen alle Referentinnen und Referenten Rede und Antwort zu den Fragen und Anmerkungen des Publikums. Dabei wurde unter anderem die Verantwortung der Kommunen erörtert und auch der Einfluss von sogenannten Beutegreifern, wie Fuchs oder Greifvögel, auf die Feldbrüterbestände thematisiert. Dazu stellte René Greiner vom Landesjagdverband klar, dass der Fuchs der Hauptbeutegreifer ist. Eine Bejagung der wichtigsten Beutegreifer, im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten, dient dem Erhalt vieler Offenlandarten, insbesondere der Bodenbrüter. Die Bejagung allein wird Lebensraumverbesserungsmaßnahmen nicht ersetzen, aber die Wirksamkeit von Lebensraumverbesserungsmaßnahmen deutlich steigern.

 

Die Informationsveranstaltung war der Auftakt für die Etablierung eines gemeinsamen Projekts von Bauernband, Jägerschaft, Landratsamt und LEV zur Erhaltung und Verbesserung der biologischen Vielfalt im ackerbaulich geprägten Offenland, das im nächsten Jahr mit weiteren Informationsveranstaltungen, Beratungen und vor allem der Umsetzung von Pilotmaßnahmen weitergeführt wird.

 

Interessierte Landwirte, Grundstückseigentümer, Kommunen etc. können sich für weitere Fragen gerne wenden an die Geschäftsstelle des LEV Ludwigsburg (Charlotte Ritter, Tel: 07141 144-42694, Mail: Charlotte.Ritter@lev-ludwigsburg.de; Dirk Hadtstein, Tel: 07141 144-42695, Mail: Dirk.Hadtstein@lev-ludwigsburg.de;), an den Fachbereich Landwirtschaft des Landratsamts (Ansprechpartnerin: Carolin Schneider, Tel. 07141 144-44947, Mail: landwirtschaft@landkreis-ludwigsburg.de); oder an die Geschäftsstelle des Bauernverbandes (Ansprechpartner: Jan Schwarting, Tel: 07141 451130; Mail: schwarting@lbv-bw.de). 14.12.2017