Führung bei der Spedition Große-Vehne in Kornwestheim

Jobcenter zeigt Flüchtlingen Jobperspektiven auf

Alexander Koch ist nicht hier, um die Dinge schön zu reden. „In Deutschland kann man vieles erreichen – aber: man muss fleißig sein“, sagt der Ausbildungs- und Dispositionsleiter der Spedition Große-Vehne in Kornwestheim. Seine Zuhörer: 15 anerkannte Flüchtlinge, jeder mit einem völlig individuellen Schicksal. Und doch haben die Teilnehmer der Führung über das Speditionsgelände eines gemeinsam: sie beziehen Arbeitslosengeld II – und sie suchen Arbeit, wollen auf eigenen Beinen stehen. Das ist während der gut zweieinhalbstündigen Führung förmlich mit Händen zu greifen. 15 Augenpaare hängen Alexander Koch bei seinen Aus-führungen an den Lippen, schauen genau hin, hören genau zu. Vor allem, als es darum geht, dass bereits 27 Flüchtlinge bei der Spedition einen festen Arbeitsvertrag haben. „Das sind alles sehr, sehr fleißige Menschen“, sagt Alexander Koch. Manche von ihnen hätten seit langer Zeit keinen Kontakt mit ihren Familien zuhause, lebten alleine und in Sorge um ihre An-gehörigen. Und trotzdem seien sie durchweg zuverlässig und engagiert. „Da habe ich einen riesigen Haufen Respekt davor.“ Zahlreich und sehr konkret sind die Fragen, die die Teilneh-mer an den Ausbildungsleiter richten. Wie sind die Arbeitszeiten? Wie gut muss man Deutsch können? „Wir haben kein Studium absolviert. Was können wir arbeiten bei Ihnen?“, will einer der Teilnehmer wissen.

 Genau das ist der Sinn solcher Veranstaltungen, die Firmenberatung und ZABF Stelle des Jobcenters Landkreis Ludwigsburg in regelmäßigen Abständen organisieren. „Wir wollen Jobperspektiven für unsere Kunden aufzeigen“, sagt Christian Zillmann, Leiter der Firmenbe-ratung. Es gehe darum, Wege aufzuzeigen, die realistisch und greifbar seien. Deshalb sei das Jobcenter auch dankbar für jedes Unternehmen, das solche Kooperationen möglich mache. Nur so könne ein Kontakt zwischen Jobsuchenden und Arbeitgebern hergestellt werden, wo-von beide Seiten profitieren könnten. „Wir kennen unsere Kunden – und die Unternehmen wissen, welchen Bedarf an Arbeitskräften sie haben. Die Firmenberatung ist die Schnittstelle dazwischen“, erläutert Christian Zillmann.

 Ganz zum Schluss der Veranstaltung wird es tatsächlich sehr konkret. Auf die Frage, ob es bei der Spedition Große Vehne auch die Möglichkeit gebe, ein Praktikum zu machen, antwortet Alexander Koch kurz und bündig: „Schreiben Sie eine Bewerbung und schreiben Sie dazu, dass Sie hier dabei waren – vielleicht wird es ja was.“

 

Zum Hintergrund: Die Firmenberatung des Jobcenters Landkreis Ludwigsburg versteht sich als Dienstleister für Unternehmen und als Schnittstelle zu möglichen Arbeitnehmern. Sie bietet Unternehmen individuelle Beratung bei Stellenbesetzungen an; oft werden dabei indi-viduelle Lösungen gefunden, weil die Firmenberatung die Arbeitgeber effektiv bei der Be-darfsermittlung und der Vorauswahl potenzieller Bewerber unterstützen kann. Abgerundet wird das Portfolio der Firmenberatung durch verschiedene Zuschüsse und Förderleistungen – und durch Vor-Ort-Termine wie kürzlich bei der Spedition Große-Vehne in Kornwestheim.

Die Zentrale Anmeldung und Beratungsstelle für anerkannte Flüchtlinge, kurz ZABF, ist auf die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt spezialisiert. Beide Geschäftsteile des Jobcenters Landkreis Ludwigsburg verfügen im Bereich der Beschäftigung von Flüchtlingen über eine breite Kompetenz im sich immer wieder ändernden Flüchtlingsrecht und beraten Bewerber und Arbeitgeber gleichermaßen zu den Chancen und Risiken bei der Einstellung von geflüchteten Menschen.

Das hat Vorteile für beide Seiten: den Flüchtlingen werden nur Branchen vorgestellt, die ihnen auch tatsächlich Beschäftigungsmöglichkeiten bieten können; und die Arbeitgeber er-halten Zugang zu Bewerbern, die sich durch die gute Vorinformation auch ernsthaft für die zu vergebenden Stellen interessieren. 3.5.2018