Fortbildungsveranstaltung der ehrenamtlichen Naturschutzwarte im Landkreis Ludwigsburg

Durch ökologisch wertvollen Landschaftsausschnitt gewandert

Im Rahmen der Wanderung erläuterte Dr. Rolf Gastel, Naturschutzfachkraft bei der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts, zahlreiche Themenbereiche vor Ort: den Ausbau der B 10 und dessen Auswirkungen auf das Enztal sowie geplante Ausgleichsmaßnahmen; die Weinbausteillagen am Kornberg, die dort auch in ihrer Eigenschaft als Kulturdenkmal durch zunehmende Nutzungsaufgabe gefährdet sind; Naturdenkmale und gesetzlich geschützte Biotope – hierbei sind insbesondere Kleingewässer in ihrer Funktion als Amphibien-Lebensräume durch die zunehmend trockene Frühjahrswitterung gefährdet. Wo diese austrocknen, sterben innerhalb weniger Jahre auch die letzten verbliebenen Amphibienvorkommen aus.

Dr. Gastel wies auch darauf hin, dass gerade ältere Streuobstbestände unter der aktuellen Trockenheit besonders stark leiden. Eine zusätzliche, größer werdende Gefahr ist starker Mistelbefall, besonders bei Apfelbäumen. Die Misteln schwächen die Vitalität der Bäume so stark, dass einige deswegen sogar absterben. Ein weiteres Thema waren die intensive Freizeitnutzungen mit Lagerplätzen, nicht genehmigtem Hüttenbau und von Aufsitzrasenmähern kurz geschnittenen Rasenflächen statt blumenbunten Wiesen. Diese stellen gerade in Siedlungsnähe ein großes Problem für die geschützten Bereiche dar und entwerten diese aus Sicht des Arten-, Biotop- und Landschaftsschutzes sowie hinsichtlich ihrer wichtigen Ausgleichs- und Naherholungsfunktionen. Ferner erläuterte Gastel das Ineinandergreifen von Schutzgebietsausweisungen, Grunderwerb für Naturschutzzwecke, naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen und sonstigen Förderinstrumenten im Zusammenhang mit dem Schnellbahn-Trassenbau und anderen Bauvorhaben.

Auch das sehr erfolgreiche, mit großem Engagement verfolgte kreisweite Artenschutzprojekt Steinkauz erwähnte Gastel. Federführend ist hier seit 30 Jahren die Forschungsgemeinschaft zur Erhaltung einheimischer Eulen e. v. (FOGE) unter Leitung des Naturschutzwartes Herbert Keil. Mit Hilfe des Projekts konnten die gefährdeten Bestände wieder deutlich erhöht werden – ein auch landesweit beispielhaftes und mit Landesmitteln gefördertes Naturschutzprojekt. Zum Schluss ging Gastel auf die weitgehend unzerschnittenen und schützenswerten Ackerflächen des angrenzenden Weitfeldes ein. Diese haben mit ihren guten Böden nicht nur für die Nahrungsmittelproduktion eine große Bedeutung, sondern auch für die landesweit stark zurückgegangenen Feldbrüter, wie Rebhuhn und Schafstelze, sowie als Überwinterungsgebiet seltener Vogelarten. Im Rahmen der Allianz für Niederwild sollen deren Lebensräume vor allem durch Buntbrachen in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft ergänzend zu bereits bisher umgesetzten Schutzmaßnahmen landschaftstypisch weiter aufgewertet werden. 21.8.2018