Der Staatswald im Landkreis Ludwigsburg besteht den doppelten Wald-TÜV

Von links: die beiden Auditoren Niels Pluscyk und Alfred Raunecker sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamt-Fachbereichs Forsten bei der Waldprüfung.
Von links: die beiden Auditoren Niels Pluscyk und Alfred Raunecker sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamt-Fachbereichs Forsten bei der Waldprüfung.

Der Staatswald im Landkreis Ludwigsburg hat den "doppelten Wald-TÜV" des FSC (Forest Stewardship Council) und des PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) bestanden. Die beiden Auditoren bescheinigten dem Fachbereich Forsten des Landratsamts Ludwigsburg "vorbildliche, nachhaltige und verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung".

„Der Wald im Landkreis Ludwigsburg hat für unsere Kulturlandschaft und die Erholung eine herausragende Bedeutung. Daher bewirtschaften wir ihn pfleglich und nach hohen Standards. In regelmäßigen Zeitintervallen wird die Qualität der Waldbewirtschaftung von unabhängigen Experten überprüft. Deshalb freue ich mich, dass von zwei unabhängigen Gutachtern die vorbildliche, nachhaltige und verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung bestätigt wurde“, sagte die Fachbereichsleiterin Gundula Gmelin bei der sogenannten Vor-Ort-Auditierung in Vaihingen/Enz, dem Sitz der Unteren Forstbehörde.

Zu Beginn des Audits fand eine umfassende Prüfung der Betriebsunterlagen, wie Karten, Wirtschaftspläne und Dokumente zur Betriebssteuerung in einem ausführlichen Gespräch mit den verantwortlichen Waldbewirtschaftern der Unteren Forstbehörde Ludwigsburg statt. Dabei ging es unter anderem um die mittelfristige Wirtschaftsplanung im Forstbetrieb („Forsteinrichtung“), die Verwendung von geprüftem Saat- und Pflanzgut für die nächste Waldgeneration, den Einsatz von zertifizierten Forstunternehmen als Garant für eine pflegliche Holzernte, die Umsetzung des Alt- und Totholzprogramms als wichtigen Beitrag für die Erhaltung der Artenvielfalt, die Einhaltung des Verbotes von Pflanzenschutzmitteln im Wald, regelmäßige Fortbildungsmaßnahmen für die Beschäftigten, Reduzierung von Wildverbiss an der nächsten Waldgeneration durch Bejagung und angepasste Wildbestände.

Im Anschluss daran ging die Kontrolle vor Ort in zufällig ausgewählten Waldbeständen, dem sogenannten field-audit, weiter. Dabei wurden wichtige Punkte zur Einhaltung einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Waldbewirtschaftung geprüft. So etwa die Einhaltung des Verbots der flächigen Befahrung der Waldbestände mit schweren Maschinen, den kahlschlagsfreien Umbau von Beständen, die wegen des Eschentriebsterben absterben, sowie die Pflegekonzeption von Eichenbeständen.

Nach Abschluss des Audits gratulierten die Auditoren den Forstleuten zum guten Ergebnis der Prüfung und lobten die vorbildliche Bewirtschaftung des Staatswaldes im Landkreis. „Ich finde es gut und richtig, dass die beiden Zertifikate des Staatswaldes regelmäßig überprüft werden. Das ist wie ein Doppel-TÜV beim Auto. Zusätzlich bekommen wir von außen wichtige Impulse für die Bewirtschaftung des Waldes“, betonte der ForstBW-Geschäftsführer Martin Strittmatter.

Hintergrundinformationen

Im März 2000 erhielt der Staatswald Baden-Württemberg das PEFC-Zertifikat. Im Mai 2014 wurde zusätzlich das FSC-Zertifikat verliehen. In beiden Fällen handelt es sich um internationale Zertifizierungssysteme, die den Waldbesitzenden verpflichten, bei der Waldbewirtschaftung die zugrundliegenden, strengen Standards zu beachten. Verlangt wird eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, die ökologische, soziale und ökonomische Kriterien gleichermaßen berücksichtigt. Die Standards der beiden Zertifizierungssysteme decken sich in vielen Punkten, wobei zum Teil unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden.

Beispiele für die Prüfkriterien der Zertifikate sind:

• Angestrebt werden ökologisch hochwertige, naturnahe Mischbestände, mit standortgerechten und weitgehend heimischen Baumarten.

• Bei der Holzernte sollen Schäden am Bestand und am Boden weitestgehend vermieden werden.

• Aufbau und Erhaltung von Totholzvorräten im Wald.

• Eingesetzte Forstunternehmen weisen ein Unternehmenszertifikat nach und setzen ausschließlich Bioöle und Sonderkraftstoffe ein.

• Verbot von jeglichen Einsatz chemischer Biozide im Wald. Im „Borkenkäfer-Kalamitätsfall“ kann nur nach einem vorangegangenen aufwändigen Genehmigungsverfahren ausnahmsweise ein Pflanzenschutzmitteleinsatz durch das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz fachlich angewiesen werden.

• Nachweis von Maßnahmen zur Unfallverhütung und Gesundheitsvorsorge für die im Wald arbeitenden Personen.

Das Audit wurde von den Gutachtern Alfred Raunecker (FSC) und Niels Pluscyk (PEFC) vorgenommen. Raunecker und Pluscyk sind freiberuflich tätige Forstsachverständige, die im Auftrag der Zertifizierungsstelle „DINCERTCO“ in Berlin, einer Tochter des TÜV Rheinland, das Audit durchführen.

Der Forest Stewardship Council (FSC) ist eine internationale, gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, mit Hilfe eines Siegels ökologisch und sozial verantwortliche Waldbewirtschaftung global auf Produkten sichtbar zu machen. Weltweit sind über 195 Millionen Hektar Wald FSC-zertifiziert, in Deutschland sind es rund 1,2 Million Hektar Wald. In deutschen Wäldern steht der FSC u.a. für eine Waldwirtschaft, die den Wald nicht übernutzt, die ökologische Vielfalt fördert und ohne Kahlschläge, Gentechnik und Pestizide auskommt. FSC setzt sich hier für die Mehrung natürlicher Mischwälder, für den Schutz seltener Arten und Ökosysteme sowie für faire Entlohnung und mehr Bürgerbeteiligung ein. Die Zertifikatsvergabe erfolgt durch unabhängige Dritte und wird jährlich überprüft.

Das Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC) ist die größte Institution zur Sicherstellung nachhaltiger Waldbewirtschaftung durch ein unabhängiges Zertifizierungssystem. Holz und Holzprodukte mit dem PEFC-Siegel stammen nachweislich aus ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiger Forstwirtschaft. PEFC Deutschland e.V. wurde 1999 gegründet und entwickelt die Standards und Verfahren der Zertifizierung, stellt der Öffentlichkeit Informationen bereit und vergibt die Rechte am PEFC-Logo in Deutschland. PEFC ist in Deutschland das bedeutendste Waldzertifizierungssystem: Mit 7,3 Millionen Hektar zertifizierter Waldfläche sind bereits rund zwei Drittel der deutschen Wälder PEFC-zertifiziert, weltweit bereits rund 300 Millionen.

Baden-Württemberg ist bundesweit eines der waldreichsten Länder. Es ist auf einer Fläche von rund 1,4 Millionen Hektar und zu 39 Prozent von Wald bedeckt. Weitere Informationen zum Thema Wald finden Interessenten auf der Internetseite des Landesbetriebs ForstBW unter www.forstbw.de. 22.3.2017