Chef der Kreisverwaltung erhält Auszeichnung für sein vielfältiges Europa-Engagement – Gedenktafel für Kriegsgefangene auf dem Hohenasperg enthüllt

Landrat Dr. Rainer Haas: „Wir dürfen nicht müde werden, für Europa zu werben und seine Vorteile vor Augen zu führen“

Landrat Dr. Rainer Haas (links) erhielt das Europakreuz aus den Händen von Prof. Dr. Dr. Dominique Soulas de Russel
Landrat Dr. Rainer Haas (links) erhielt das Europakreuz aus den Händen von Prof. Dr. Dr. Dominique Soulas de Russel
Nach der Enthüllung der Gedenktafel auf dem Hohenasperg: Prof. Dr. Dr. Dominique Soulas de Russel, Raphaela Sonnentag, Leiterin des Amtes Ludwigsburg von Vermögen und Bau Baden-Württemberg, und Landrat Dr. Rainer Haas (von links)
Nach der Enthüllung der Gedenktafel auf dem Hohenasperg: Prof. Dr. Dr. Dominique Soulas de Russel, Raphaela Sonnentag, Leiterin des Amtes Ludwigsburg von Vermögen und Bau Baden-Württemberg, und Landrat Dr. Rainer Haas (von links)

Gleich zwei Veranstaltungen mit deutsch-französischem Hintergrund fanden am Freitag in Ludwigsburg und Asperg statt: Landrat Dr. Rainer Haas wurde vom Deutschen Komitee für Europäische Zusammenarbeit der Soldaten, Kriegsopfer und Förderer des Europäischen Gedankens mit dem Europakreuz ausgezeichnet. Als Mitglied des Vereins und in Vertretung von Präsident Dieter Fischer übergab Prof. Dr. Dr. Dominique Soulas de Russel – er lehrt an der Universität Tübingen und an der Hochschule Nürtingen – im Kreishaus die Ehrung an Haas für dessen vielfältiges Europa-Engagement, das er seit vielen Jahren beweise. Haas sagte in seiner Dankesrede, dass „wir nicht müde werden dürfen, für Europa zu werben und seine Vorteile vor Augen zu führen“. Im Anschluss an die Übergabe wurde auf dem Hohenasperg eine Tafel zum Gedenken an die Befreiung der Festung im April 1945 und der dort inhaftierten Regimegegner enthüllt, die auf Initiative von Soulas de Russel in seiner Funktion als Generaldelegierter des Verbands Le Souvenir Français am Löwentor der Festung angebracht wurde.

Prof. Dr. Dr. Dominique Soulas de Russel ging in seiner Laudatio auf das langjährige Europa-Engagement des Landrats ein, dem Europa seit seiner Studienzeit eine Herzensangelegenheit sei. Dies belege sein Einsatz in verschiedenen Bereichen, sei es bei der Förderung von Partnerschaften und Schüleraustauschen, bei eigenen Europaveranstaltungen der Kreisverwaltung, in seiner Funktion als Vizepräsident der deutschen Sektion des Rats der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE) oder als Vorsitzender des Kreisverbandes der Europa-Union. Und auch als Privatperson sei Haas ein wirklicher Europäer, der sich dabei vor allem im romanischsprachigen – und besonders im französischen – Ausland wohl fühle, so Soulas de Russel.

Landrat Haas bedankte sich für die Ehrung und sagte: „Europa ist in unserer Arbeit in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden, ein Großteil wird inzwischen von europäischen Vorschriften dominiert. Daher appelliere ich an die Bürgerinnen und Bürger, im Mai zur Europawahl zu gehen. Wir müssen die zukünftige europäische Politik mitgestalten, denn Europa entsteht hier, vor Ort. Dazu gehört das Einmischen auf europäischer Ebene, aber auch gelebte Städtepartnerschaften, wie wir sie zahlreich im Landkreis Ludwigsburg haben, besonders mit französischen Städten und Gemeinden.“ Der Chef der Kreisverwaltung hob hervor, dass gerade für junge Menschen ein friedliches Europa, in dem man mit einer gemeinsamen Währung bezahlt und ohne Grenzkontrollen durch viele Länder reisen kann, inzwischen normal sei. „Dies ist jedoch keine Selbstverständlichkeit – es ist, im Gegenteil, der größte Erfolg Europas, dass aus der deutsch-französischen Erbfeindschaft nach mehreren großen Kriegen eine tiefe Freundschaft geworden ist. Europa war und ist das zentrale Instrument für die Entwicklung des Friedens und der Zusammenarbeit. Daher darf es nicht auf Euro und Cent reduziert werden. Wir dürfen nicht müde werden, bei der Bevölkerung für Europa zu werben und vor allem seine Vorteile als eine der größten und erfolgreichsten Friedensinitiativen der Geschichte immer wieder vor Augen zu führen“, so Haas zum Abschluss seiner Dankesrede. Er nehme die Auszeichnung gerne an, um in diesem Sinne ein Zeichen zu setzen. Mit dem Europakreuz werden ehemalige Soldaten und Politiker gewürdigt, die sich in besonderem Maße für das Zusammenwachsen Europas verdient gemacht und sich für die Freundschaft der Jugend sowie für ein geeintes, gerechtes und friedliches Europa eingesetzt haben.

Im Anschluss an die Übergabe wurde eine Gedenktafel auf dem Hohenasperg enthüllt, mit der an die Befreiung der Festung im April 1945 und der dort inhaftierten Regimegegner erinnert wird. Initiiert wurde die Anbringung der Tafel von dem französischen Verband Le Souvenir Français, der sich seit 1887 dafür einsetzt, das Andenken an die Menschen zu bewahren, die sich durch ihren Einsatz für Freiheit und Gerechtigkeit verdient gemacht haben. Der Verband zählt rund 200.000 Mitglieder und ist in allen französischen Departements sowie auch im Ausland vertreten. Generaldelegierter für Baden-Württemberg ist seit 2012 Prof. Dr. Dr. Dominique Soulas de Russel. Nach der Begrüßung durch den Asperger Bürgermeister Ulrich Storer und einigen Anmerkungen zum historischen Kontext von Soulas de Russel kam Mireille Hincker zu Wort, deren Ehemann im Zweiten Weltkrieg einer der Gefangenen auf dem Hohenasperg war. 25.4.2014