„Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen“ unterzeichnet

Landrat Dr. Haas: „Ein wichtiges Signal, das sterbende und trauernde Menschen mehr ins Zentrum des Bewusstseins rückt“

Vertreter der Kommunen, der Kirchen, von Caritas, Diakonie, Stiftung Karlshöhe und verschiedener Pflegeeinrichtungen unterzeichneten die "Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen" im Kreishaus.
Vertreter der Kommunen, der Kirchen, von Caritas, Diakonie, Stiftung Karlshöhe und verschiedener Pflegeeinrichtungen unterzeichneten die "Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen" im Kreishaus.

Die „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland“ setzt sich für diejenigen ein, die aufgrund einer fortschreitenden, lebensbegrenzenden Erkrankung mit Sterben und Tod konfrontiert sind. Im März 2015 hatte der Landkreis Ludwigsburg einen Prozess angestoßen, bei dem es – unter anderem bei zwei Fachstudientagen – darum ging, Konzepte zur Betreuung dieser Menschen zu erarbeiten. Nun wurde die Charta am Freitagabend bei der Feierstunde zum 20-jährigen Bestehen der Ökumenischen Hospizinitiative im Ludwigsburger Kreishaus unterzeichnet. Landrat Dr. Rainer Haas sieht in der Vereinbarung „ein wichtiges Signal, das sterbende und trauernde Menschen mehr ins Zentrum des Bewusstseins rückt“. Sozialdezernent Heiner Pfrommer nahm in seiner Vertretung an der Festveranstaltung teil und überbrachte die Glückwünsche des Landrats zum Jubiläum der Hospizinitiative.

„Mir ist auch persönlich wichtig, ein Zeichen zu setzen, dass Schwerkranke und sterbende Menschen genauso zu unserer Gesellschaft gehören und unsere Solidarität spüren sollen. Sie werden nicht allein gelassen“, sagte Landrat Haas, als er die Charta vorab unterzeichnete. Sie diene dem zukünftigen Hospiz- und Palliativplan als Grundlage für die weitere Entwicklung. „Wir haben bereits eine gute Struktur in der Hospizarbeit und in der Schmerztherapie und werden diese auf Grundlage der Charta weiterentwickeln.“ Großen Anteil daran habe die Ökumenische Hospizinitiative. Viele ehrenamtliche Helfer würden sich in ihr engagieren, um Sterbende und Trauernde zu begleiten und ihre Situation lebenswerter zu gestalten. Weitere Beispiele sind die Hospizgruppen, Trauergruppen für Erwachsene und auch für Kinder und Jugendliche, das stationäre Hospiz in Bietigheim-Bissingen, die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) in der Trägerschaft der niedergelassenen Ärzte sowie das Klinikum Ludwigsburg. „Der Landkreis Ludwigsburg ist einer der ersten Landkreise in Deutschland, die sich bei diesem Thema so strukturiert auf den Weg gemacht und die Umsetzung der Charta mit einem solchen Entwicklungsprozess begonnen haben“, stellt der Chef der Kreisverwaltung fest.

Die fünf Leitsätze der Charta formulieren Aufgaben, Ziele und Handlungsbedarfe, um die Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen zu verbessern. Im Mittelpunkt steht dabei immer der betroffene Mensch. Viele Einrichtungen und Institutionen im Landkreis sowie Einzelpersonen haben die Charta als Bekenntnis zu einem gemeinsamen Handeln unterzeichnet. Im Rahmen der Feierstunde zum 20-jährigen Bestehen der Hospizinitiative wurden diese Unterschriften an Dr. Birgit Weihrauch vom Deutschen Palliativ- und Hospizverband übergeben.

Seit Beginn des Charta-Prozesses im Jahr 2008 haben rund 200 Fachleute aus 50 gesellschaftlich und gesundheitspolitisch relevanten Organisationen und Institutionen an der Entstehung der Charta mitgewirkt. Seit ihrer Veröffentlichung im September 2010 ist es gelungen, viele weitere Akteure in den Prozess einzubeziehen. 16.000 Institutionen und Einzelpersonen haben sich bisher mit ihrer Unterschrift für die Charta und ihre weitere Umsetzung engagiert. Im Rahmen einer nationalen Strategie geht es nun darum, die in der Charta formulierten Leitsätze, auch mit Unterstützung der Politik, so umzusetzen, dass jeder Betroffene unabhängig von der jeweiligen Erkrankung, der persönlichen Lebenssituation oder des Versorgungsortes eine qualitativ hochwertige palliative und hospizliche Behandlung und Begleitung erhält. 22.7.2016