Abschlussveranstaltung des Modellprojekts „Persönliche Freiheit statt gut gemeinter Sicherheit“

Kampagne „eigenfrei“ stellt Wanderausstellung vor zum Thema freiheitsbeschränkenden Maßnahmen im Pflegebereich

Die Teilnehmer der Zertifikatsübergabe.
Die Teilnehmer der Zertifikatsübergabe.

Das Modellprojekt „Persönliche Freiheit statt gut gemeinter Sicherheit“ in Einrichtungen der stationären Altenpflege war Teil der groß angelegten Kampagne „eigenfrei“, die von der Altenhilfe des Landkreises in Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachvertretern vor knapp drei Jahren initiiert wurde. „Eigenfrei“ befasst sich mit den freiheitsbeschränkenden Maßnahmen im Pflegebereich. Es handelt sich um einen neuen Ansatz, der frühzeitig Alternativen zur Fixierung von Pflegebedürftigen durch Bettgitter, Gurte oder Medikamente aufzeigen möchte – weit bevor ein Antrag bei Gericht gestellt wird. Bei dem Modellprojekt bekamen am Dienstag im Kreishaus zehn von elf der beteiligten Einrichtungen der stationären Altenpflege im Landkreis Ludwigsburg ein Zertifikat überreicht für die erfolgreiche Teilnahme an dem Projekt.

Hauptanliegen des Projekts war, durch ein spezifisches, breit angelegtes Fortbildungs- und Informationsangebot das Thema „Freiheit“ zu transportieren und damit zu dem Wissen beizutragen, dass Eingriffe in die Freiheitsrechte des Menschen aus fachlichen und ethischen Gründen zu vermeiden sind. Studienergebnisse machen deutlich, dass freiheitsentziehende Maßnahmen nicht geeignet sind, Stürze und Verletzungen erfolgreich zu verhindern. Ein weiteres zentrales Element war die gezielte Einführung der Methode der Fallbesprechung. Entsprechend diesem Konzept soll nach einem abgestimmten Prinzip ermittelt werden, welche Alternativen vorhanden sind, um eine Freiheitseinschränkung beziehungsweise Freiheitsbeschränkung zu vermeiden.

Da das Thema nie an Aktualität verliert und immer wieder in die Gesellschaft getragen werden muss, nimmt der Landkreis Ludwigsburg die Abschlussveranstaltung des Modellprojektes in den Pflegeinrichtungen gleichzeitig zum Anlass, um die Informationen der Kampagne eigenfrei breit zu streuen. Hierzu wurde eine Bilderausstellung aus dem Film der Kampagne „Mehr Freiheit wagen“ ausgekoppelt und steht jetzt allen Einrichtungen, Gemeinden und Institutionen zur Verfügung, die sich des Themas annehmen wollen. Denn auch im Alter und bei Pflegebedürftigkeit oder Behinderung müssen die Grundrechte der Menschen gewahrt werden.

Die beteiligten Einrichtungen, die an diesem Nachmittag ein Zertifikat über ihre Teilnahme am Projekt erhalten haben, haben sich dem Grundsatz verschrieben stets nach Alternativen zu freiheitsentziehenden Maßnahmen zu suchen und bereits im Vorfeld durch gezielte Prävention, wie Sturzprophylaxe und Balancetraining, dazu beizutragen, dass ihre Bewohner sich frei in ihrem Umfeld bewegen können. Das Projekt hat in seiner Auswertung gezeigt, dass durch gezielte Informationsvermittlung und Sensibilisierung freiheitsentziehende Maßnahmen auf ein absolutes Minimum beschränkt oder vollständig abgebaut werden können. Damit dies auch im Anschluss an den Modellzeitraum erfolgreich umgesetzt werden kann, haben die beteiligten Einrichtungen investiert und ihr Equipment an alternativen Hilfsmitteln, wie Niederflurbetten, Sensormatten und Sturzmatten, aufgestockt. 20.7.2017

Auch in Zukunft wird „eigenfrei“ für alle Einrichtungen Vorträge, Informationen und gezielte Unterstützung durch ein Expertenteam bereit halten und daran arbeiten, dass das Verständnis von Freiheit im Pflegebereich weitergetragen wird. 20.7.2017