8. landesweiter Streuobsttag im Ludwigsburger Kreishaus

Landrat Dr. Haas: „Streuobstwiesen liefern gesunde Lebensmittel und sind ein prägender Teil unserer Kulturlandschaft – wir müssen sie schützen“

von links: Vorstandsmitglied Bernhard Reisch und Geschäftsführerin Martina Hörmann von der Streuobst-Initiative Calw-Enzkreis-Freudenstadt e. V., Dr. Markus Rösler MdL, Ministerialdirektor Wolfgang Reimer (Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz) und Landrat Dr. Rainer Haas beim diesjährigen Streuobsttag im Ludwigsburger Kreishaus.
von links: Vorstandsmitglied Bernhard Reisch und Geschäftsführerin Martina Hörmann von der Streuobst-Initiative Calw-Enzkreis-Freudenstadt e. V., Dr. Markus Rösler MdL, Ministerialdirektor Wolfgang Reimer (Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz) und Landrat Dr. Rainer Haas beim diesjährigen Streuobsttag im Ludwigsburger Kreishaus.

Bereits zum fünften Mal fand im Ludwigsburger Kreishaus der baden-württembergische Streuobsttag statt. Der Erhalt von Streuobstwiesen und die weitere Vernetzung süddeutscher Initiativen in diesem Bereich sind die Hauptziele der Veranstalter. Landrat Dr. Rainer Haas sagte dazu: „Streuobstwiesen liefern gesunde Lebensmittel und sind ein prägender Teil unserer Kulturlandschaft – wir müssen sie nach Kräften schützen.“ Baden-württembergische, hessische, bayerische und rheinland-pfälzische Vertreter von Kommunen, Streuobst-Initiativen und Naturschutzverbänden, Verwaltungsexperten, Fachberater und interessierte Streuobstwiesen-Bewirtschafter nutzten den Tag zum fachlichen Austausch.

Landrat Haas wies auf die große Bedeutung von vor Ort erzeugten und konsumierten Lebensmitteln hin. „Ich bin sehr froh, dass die Bürgerinnen und Bürger wieder mehr darauf achten, wo ihre Lebensmittel herkommen. Das Bewusstsein nimmt zu, dass das Konsumieren von lokal erzeugten Lebensmitteln schmeckt, gesund ist und zum Überleben der heimischen Betriebe beiträgt.“ Nur mit diesem Umdenken sei der Erhalt der bedeutenden und landschaftsprägenden Streuobstwiesen möglich – Gleiches gelte im Übrigen, so der Chef der Kreisverwaltung, auch für den Steillagenweinbau.

Aus diesem Grund habe der Landkreis in Zusammenarbeit mit dem Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine im Jahr 1998 mit einer Fachwartausbildung begonnen. „Die Nachfrage ist kontinuierlich gestiegen. Die Kurse, die inzwischen jährlich stattfinden, sind regelmäßig ausgebucht“, zeigte sich Haas erfreut über die Entwicklung.  Insgesamt nahmen daran bisher 175 Personen teil. „Die Fachwarte bringen ihr Wissen dann in einem der 55 örtlichen Obst- und Gartenbauvereine oder in Naturschutzorganisationen ehrenamtlich und tatkräftig ein“, lobte Haas. In diesem Zusammenhang wies er auch auf ein neues landesweites Projekt hin, bei dem es um sogenannte Sortenpatenschaften geht, die zum Erhalt seltener und alter Streuobstsorten beitragen sollen. Der Landrat appellierte an jüngere Generationen, sich um die „geerbten Obststückle“ zu kümmern – es gebe mehrere Anlaufstellen, bei der Kreisverwaltung oder bei den Obstbauvereinen, die bei der Bewirtschaftung unterstützen.

Der Mittlere Neckarraum ist seit vielen Generationen ein Zentrum des Obst- und Weinbaus. Auf den Streuobstwiesen sind mehr als 5.000 Tier- und Pflanzenarten sowie 3.000 Obstsorten heimisch – „Beweis für die große Schutzwürdigkeit dieser Lebensräume“, so Haas. Im dicht besiedelten Landkreis Ludwigsburg würden die Wiesen zudem wichtige ökologische Ausgleichsfunktionen übernehmen. Der Landkreis fördere den Streuobstanbau daher mit Nachdruck, unter anderem mit seiner Obst- und Gartenbauberatung, mit Pflanzaktionen, Kartierungen, der Ausweisung von Landschaftsschutzgebieten oder der jährlichen Prämierung von Most- und Branntweinerzeugnissen auf dem Spätlingsmarkt. Haas erinnerte daran, dass der Landkreis Ludwigsburg vor fast 30 Jahren der erste war, der eine finanzielle Förderung für Anpflanzungen bereitgestellt und dadurch den Streuobstbau attraktiver gemacht hat.

Der landesweite Streuobsttag wird veranstaltet von der Streuobst-Initiative Calw-Enzkreis-Freuden-stadt e. V., der Akademie Ländlicher Raum, dem Ministerium Ländlicher Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR), dem Regionalbüro Hohenlohe Franken der Neuland GmbH und Co. KG sowie dem Landkreis Ludwigsburg. Er richtet sich an Streuobst-Initiativen, Naturschutzverbände sowie -organisationen, Kommunen, Fachberater, Bewirtschafter und sonstige Interessierte. 12.5.2014