22. Jugend-Naturschutzcamp im ungarischen Partnerlandkreis Komitat Pest

Von Bienenfresser-Kolonie bis Vogel-Beringstation

Das mittlerweile 22. Jugend-Naturschutzcamp fand in der zweiten Maihälfte in der Tápió-Region des Komitats Pest, ungarischer Partnerlandkreis des Landkreises Ludwigsburg, statt. Teilgenommen haben 20 Schüler – elf Jungen und neun Mädchen – aus dem Landkreis Ludwigsburg sowie ungarische Jugendliche, die zumeist auch schon den Landkreis Ludwigsburg besucht hatten. Veranstaltungsorte des Jugend-Naturschutzcamps sind im jährlichen Wechsel der Landkreis Ludwigsburg und der ungarische Partnerlandkreis mit seiner Tápió-Region. „Es ist ein gutes Zeichen, dass das gemeinsame Engagement des Landkreises Ludwigsburg, des Komitats Pest und der Tápío-Stiftung reiche Früchte trägt, die über den Naturschutz hinaus gerade in dieser Zeit auch für ein zusammenwachsendes Europa wirken“, so Landrat Dr. Rainer Haas.

Das Tápió-Gebiet weist eine besonders große Vielfalt an typischen Lebensräumen des ungarischen Tieflandes auf, wie Stillgewässer, Schilfgebiete, Feuchtwiesen, Salzwiesen sowie Sanddünen und Lößgebiete. Zum Schutz der besonders wertvollen Tier- und Pflanzenwelt mit Weißstorch, Bienenfresser, Blauracke, Fischotter und Sumpfschildkröte sowie zahlreichen Pflanzenarten wie Wiesenschwertlilie, Federgras und Späte Nelke wurden zehn Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 4500 Hektar ausgewiesen, die direkt der Nationalparkdirektion unterstehen.

 

Zur Entwicklung des Tápió-Gebietes als ökologische Modellregion wurde bereits vor 22 Jahren die Tápió-Stiftung gegründet, an der das Komitat Pest, die Tápió-Gemeinden, die Ungarische Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie (MME) sowie der Landkreis Ludwigsburg gemeinsam beteiligt sind.

 

Die Tápió-Stiftung und die Begegnung Jugendlicher beider Partnerlandkreise sind zu einem der wichtigsten Bausteine der Partnerschaftsbeziehungen geworden.

 

Die Gruppe wurde von Dr. Rolf Gastel vom Fachbereich Umwelt des Landratsamts begleitet, der das Tapió-Projekt von Beginn an mit aufgebaut hat und in der Tápió-Stiftung mitwirkt, sowie von Sanja Ratejec̑, die derzeit ein dreimonatiges Praktikum im Rahmen ihres Studiums „Public Management“ beim Landratsamt absolviert. Die Teilnehmer waren in der der Tápió-Stiftung gehörenden „Waldschule“ in Göbölyjaras untergebracht, in der sonst ungarische Kinder und Schüler ihre umweltpädagogisch ausgerichteten Ferienlager und Freizeiten verbringen und sonstige Veranstaltungen stattfinden.

 

Auf dem Programm standen der Besuch des Naturschutzzentrums der Tápió-Stiftung in Farmos, naturkundliche Exkursionen, sowie als Höhepunkte eine wissenschaftliche Vogel-Beringungsstation, eine der größten Bienenfresser-Kolonie Mitteleuropas (die tropisch bunt gefärbten und laut flötend rufenden Vögel konnten mit Fernrohren im Großformat – quasi Auge in Auge – und ohne zu stören besonders gut beobachtet werden), Ausflüge mit einer Bootsfahrt auf der Theiß, dem nach der Donau zweitgrößten Fluss Ungarns mit beeindruckenden und ursprünglichen Auwäldern, sowie die Hauptstadt Budapest.

 

Mit praktischen Naturschutz- und Landschaftspflegearbeiten wurde an zwei Tagen ein Beitrag zur Erhaltung der seltenen Flora der im Binnenland zwischen Donau und Theiß gelegenen Sanddünen sowie der blumenbunten Flora ungedüngter Lößwiesen geleistet, die sonst von nicht heimischen Gehölzen überwuchert werden. Beide Schutzgebiete befinden sich im Eigentum der Tápió-Stiftung.

 

Besonders beeindruckt waren die sehr interessierten und engagierten deutschen Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 19 Jahren von der Weite der im Vergleich zum Landkreis Ludwigsburg nur dünn besiedelten Landschaft mit großflächigen Schutzgebieten sowie der großen Offenheit und Gastfreundschaft der ungarischen Gastgeber. Schnell wurden neue Kontakte geknüpft.

 Die Durchführung der Jugend-Naturschutzcamps wird seit vielen Jahren von der Stiftung Umwelt- und Naturschutz der Kreissparkasse Ludwigsburg finanziell unterstützt. 14.6.2018