20. Jugend-Naturschutzcamp des Landkreises Ludwigsburg und des Komitats Pest

Wichtigen Beitrag zur Erhaltung der seltenen Sanddünenflora geleistet

Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Sanddünen Erdöszöllö bei Nagykáta, die der Tápió-Stiftung gehören.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Sanddünen Erdöszöllö bei Nagykáta, die der Tápió-Stiftung gehören.

Das Jugend-Naturschutzcamp findet im jährlichen Wechsel statt im Landkreis Ludwigsburg und in der ungarischen Partnerregion des Landkreises, dem Komitat Pest mit seiner Tápió-Region. In der vergangenen Woche waren die Camp-Teilnehmer in der Tápió-Region zu Gast. Teilgenommen haben 19 Schüler aus dem Landkreis Ludwigsburg sowie – täglich wechselnd – zehn bis 15 ungarische Jugendliche, die teilweise auch schon den Landkreis Ludwigsburg besucht haben. Von den Schulen, Vereinen und Jugendorganisationen, die der Landkreis eingeladen hatte, war in diesem Jahr die Waldorfschule Vaihingen besonders stark vertreten.

Die Tápió-Stiftung und die Begegnung Jugendlicher beider Partnerlandkreise sind zu einem der wichtigsten Bausteine der Partnerschaft geworden. Dies wurde auch vom Präsidenten des Komitats Pest, Istvan Szabo, bei der Begrüßung der deutschen und ungarischen Jugendlichen im Komitatshaus in Budapest lobend hervorgehoben. „Es ist ein gutes Zeichen, dass das gemeinsame Engagement des Landkreises Ludwigsburg, des Komitats Pest und der Tápío-Stiftung reichhaltige Früchte trägt, die über den Naturschutz hinaus gerade in dieser Zeit auch für ein zusammenwachsendes Europa wertvoll sind", findet Landrat Dr. Rainer Haas.

Dr. Rolf Gastel, der das Tápió-Projekt mit aufgebaut hat und in der Tápió-Stiftung mitwirkt, sowie Julia Reiss, die derzeit ein dreimonatiges Praktikum im Rahmen ihres Studiums Public Management beim Landkreis absolviert, begleiteten die Gruppe. Untergebracht waren die Teilnehmer in der ebenfalls der Tápió-Stiftung gehörenden Waldschule in Tápiószentmarton, in der sonst ungarische Kinder und Schüler ihre umweltpädagogisch ausgerichteten Ferienlager/Freizeiten verbringen. Die Stiftung Umwelt- und Naturschutz der Kreissparkasse Ludwigsburg unterstützt die Jugend-Naturschutzcamps seit vielen Jahren finanziell.

Auf dem Programm standen der Besuch des Naturschutzzentrums der Tápió-Stiftung in Farmos, naturkundliche Exkursionen, eine wissenschaftliche Vogel-Beringungsstation, Reiten und Kutschfahrten sowie die Hauptstadt Budapest, wo auch das am Donauufer gelegene Parlament besichtigt werden konnte. Mit praktischen Naturschutz- und Landschaftspflegearbeiten leisteten die sehr interessierten und engagierten Campteilnehmer an zwei Tagen einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der seltenen Sanddünenflora, die sonst von nicht heimischen Gehölzen überwuchert würde.

Besonders beeindruckt waren die deutschen Jugendlichen von der Weite der großen, dünn besiedelten Schutzgebiete, vom Besuch der größten Bienenfresserkolonie Mitteleuropas, in der die tropisch bunten und laut flötenden Vögel mit Fernrohren im Großformat – quasi Auge in Auge und ohne zu stören – beobachtet werden konnten sowie von der großen Offenheit und Gastfreundschaft der ungarischen Gastgeber. Schnell wurden neue Freundschaften geschlossen und beim Abschied versprach man sich, in Kontakt zu bleiben oder sich wieder zu besuchen.

Das Tápió-Gebiet besitzt eine besonders große Vielfalt an typischen Lebensräumen des ungarischen Tieflandes, wie Stillgewässer, Schilfgebiete, Feuchtwiesen, Salzwiesen sowie Sanddünen und Lößgebiete. Zum Schutz der besonders wertvollen Tier- und Pflanzenwelt mit Weißstorch, Bienenfresser, Blauracke, Fischotter und Sumpfschildkröte sowie zahlreichen Pflanzenarten, wie Wiesenschwertlilie, Federgras und Späte Nelke, wurden zehn Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 4500 Hektar ausgewiesen, die direkt der National-parkdirektion unterstehen.

Zur Entwicklung des Tapio-Gebiets als ökologischer Modellregion wurde bereits vor 20 Jahren die Tápió-Stiftung gegründet, an der sich das Komitat Pest, die Tápió-Gemeinden, die Ungarische Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie (MME) sowie der Landkreis Ludwigsburg beteiligen. 31.5.2016