Presse

Pressemitteilungen des Landratsamtes finden Sie hier.

Kontakt zur Pressestelle des Landratsamts Ludwigsburg:
Tel. (07141)144 - 395 oder 144 - 2922
Fax (07141)144 - 353
eMail: presse(at)landkreis-ludwigsburg.de

______________________________________________________________________

AKTUELL - Kommentar

Liebe Leserinnen und Leser der Landkreis-Ludwigsburg-Homepage,

in der Rubrik „Aktuell“ finden Sie in loser Folge Kommentare zu wichtigen und interessanten Themen aus dem Landkreis Ludwigsburg - reinschauen lohnt sich also!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
das Team der Pressestelle des Landratsamts Ludwigsburg

Flüchtlinge schnell in Ausbilung und Arbeit bringen

Die Flüchtlingsunterbringung hat sich für die Landkreise zur andauernden Herausforderung entwickelt. Wir als Landkreis Ludwigsburg haben darauf mit einer beispiellosen Aufstockung um 80 Personalstellen reagiert. Wir haben die Zahl der Unterkünfte in den vergangenen zwei Jahren von zehn auf fast 140 mit einer Kapazität von mehr als 4000 Plätzen erhöht. Aktuell planen wir weitere 35 Unterkünfte mit rund 3900 weiteren Plätzen. Allein für die Flüchtlingsunterbringung sind im Kreishaushalt für 2016 30 Millionen Euro vorgesehen. Doch trotz dieser großen Anstrengungen kommen wir den massiv steigenden Zuweisungszahlen nicht mehr hinterher: Aktuell werden uns 300 Menschen und mehr pro Woche zugewiesen – im gesamten Jahr 2010 waren es insgesamt gerade mal 188. Für 2016 müssen wir nach den uns vom Land genannten Zahlen mit insgesamt 8000 neuen Flüchtlingen rechnen. Inzwischen haben wir auch Sporthallen unserer Beruflichen Schulen und das städtische Liederkranzhaus in Bietigheim-Bissingen belegen müssen. Und erstmals ist der Landkreis wegen erschöpfter Unterbringungsmöglichkeiten auch gezwungen gewesen, bei einem Zuteilungstermin im Dezember einen Teil der Flüchtlinge direkt an die Städte und Gemeinden im Landkreis weiter zu verteilen.

Mit der Unterbringung der Flüchtlinge allein ist es aber nicht getan. Wir müssen alles daran setzen, die Flüchtlinge so schnell wie möglich in Ausbildung und Arbeit zu bringen. Das ist ein wichtiges Mittel, um sie gesellschaftlich zu integrieren. Eine nachhaltige Integration in Arbeit glückt wiederum nur dann dauerhaft, wenn die deutsche Sprache beherrscht wird. In einem zweiten Schritt geht es dann um die Frage, welche Fähigkeiten ein Flüchtling mitbringt und wie diese genutzt werden können. StellA (Schnelle Integration von Flüchtlingen und Asylbewerber/innen in gemeinsamer Verantwortung) ist in diesem Zusammenhang ein erstes Modellprojekt, das die Agentur für Arbeit und der Landkreis Ludwigsburg gemeinsam umsetzen. Bisher haben rund 60 Flüchtlinge den Kurs absolviert, von denen bisher knapp die Hälfte in Berufspraktika vermittelt werden konnte. Innerhalb von zwei Jahren möchten die Agentur für Arbeit und wir mit dem Projekt Flüchtlinge und Asylbewerber, die eine hohe Bleibewahrscheinlichkeit sowie verwertbare schulische oder berufliche Vorqualifikationen haben, in Arbeit oder Ausbildung integrieren. Weil die Wirtschaft dringend auf neue Fachkräfte angewiesen ist, bietet die Zuwanderung auch eine Chance für Deutschland und ganz Europa. Für die Flüchtlingskrise bedarf es einer gesamteuropäischen Lösung. Leider fühlen sich offensichtlich nicht alle Regierungen der europäischen Mitgliedstaaten der notwendigen Solidarität und den europäischen Werten verpflichtet.

Unsere Aufnahmebereitschaft für Flüchtlinge ist richtig und wichtig. Das Asylrecht, die Genfer Flüchtlingskonvention und nicht zuletzt unsere christlichen Werte verpflichten uns dazu. Wir müssen den Flüchtlingen aber auch deutlich machen, dass sie sich an unsere Spielregeln halten müssen. Hier müssen wir darauf hinwirken, dass diejenigen abgeschoben werden, die sich nicht an unsere Werte und Regeln des Zusammenlebens halten. Auf der anderen Seite dürfen wir aber auch fremdenfeindliche Äußerungen und Aktionen nicht dulden. Für Beides benötigen wir einen starken und wehrhaften Staat, mit dem wir unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung schützen und bei Bedarf auch verteidigen.

Es ist sehr erfreulich, dass das ehrenamtliche Engagement im Landkreis für die Flüchtlinge so groß ist. Die zahlreichen Ehrenamtlichen in den mehr als 40 Asyl-Arbeitskreisen unterstützen den Landkreis in hervorragender Weise, indem sie den Flüchtlingen Hilfestellungen im täglichen Leben geben – ohne die ehrenamtlich Engagierten wäre diese Herkulesaufgabe nicht zu schaffen. Für diesen außergewöhnlichen und alles andere als selbstverständlichen Einsatz gebührt ihnen unser herzlicher Dank. Ein wichtiger Kooperationspartner ist dabei die ökumenische Fachstelle Asyl des Kreisdiakonieverbands, die sich für den effektiven Einsatz und die Weiterbildung der Ehrenamtlichen einsetzt. Mit den freien Trägern Caritas, Diakonie, Deutsches Rotes Kreuz und Arbeiterwohlfahrt haben wir zudem die Vereinbarung getroffen, dass diese mit für die soziale Beratung und Betreuung von Asylbewerbern zuständig sind, auch um die Vernetzung in die Gesellschaft hinein zu erreichen. Für die Integration bieten wir Sprachkurse an, schulen Sprachvermittler, binden Kinder aus Flüchtlingsfamilien in schulische Kulturprogramme ein und haben einen Leitfaden herausgegeben, der Antworten auf Fragen gibt, die von den Flüchtlingen häufig gestellt werden.

Integration ist eine große Herausforderung, weil die Flüchtlinge einen unterschiedlichen kulturellen Hintergrund haben. Deutschland bleibt nichts anderes übrig, als sich dieser Herausforderung zu stellen. Mit den Heimatvertriebenen und den Gastarbeitern hat unser Land in der Vergangenheit schon zwei Einwanderungswellen erfolgreich gemeistert. Dennoch muss es auch gelingen, die Ursachen für die Einwanderung zu bekämpfen und damit die Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, deutlich zu verringern. Sonst wissen wir bald tatsächlich nicht mehr, wo wir die Menschen unterbringen und wie wir sie integrieren sollen.                                  

                                                                                           Dr. Andreas Fritz