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AKTUELL - Kommentar

Liebe Leserinnen und Leser der Landkreis-Ludwigsburg-Homepage,

in der Rubrik „Aktuell“ finden Sie in loser Folge Kommentare zu wichtigen und interessanten Themen aus dem Landkreis Ludwigsburg - reinschauen lohnt sich also!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
das Team der Pressestelle des Landratsamts Ludwigsburg

Flüchtlingen muss geholfen werden

Afghanistan, Nordafrika, Syrien, Irak, Ostukraine, – in der Welt gibt es zurzeit besonders viele Krisenherde; Krisenherde, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu Europa liegen; Krisenherde, an denen Tag für Tag viele Menschen sterben, weil sie einer bestimmten Religion, einer bestimmten Volksgruppe, einer bestimmten Nation oder einer bestimmten politischen Richtung angehören; Krisenherde, die uns alle angehen, die wir nicht ignorieren können.

Die meisten der Verfolgten versuchen, nach Europa zu fliehen, etwa ein Drittel von ihnen nach Deutschland, wo das Asylrecht für politisch Verfolgte ein im Grundgesetz verankertes Grundrecht ist. Wir Deutschen haben auf Grund unserer Geschichte eine besondere moralische Verpflichtung, diesen Flüchtlingen zu helfen. Viele von uns sind sich dieser Verantwortung bewusst und wollen die Flüchtlinge unterstützen. So haben sich erfreulicherweise Asyl-Arbeitskreise gebildet, die den oft traumatisierten Menschen mit Rat und Tat zur Seite stehen, etwa als Sachspender, Deutschlehrer oder Begleiter bei Arztterminen und Behördengängen. Dieses bürgerschaftliche Engagement ergänzt hervorragend die Betreuung durch Hausmeister und Sozialarbeiter des Landkreises.

Unabhängig davon stellen die in jüngster Zeit sprunghaft gestiegenen Flüchtlingszahlen die Landkreise vor große Herausforderungen: Im Moment weist die Landesaufnahmestelle in Karlsruhe dem Landkreis Ludwigsburg monatlich mehr als 200 neue Asylbewerber zu – noch Anfang dieses Jahres waren es nur 80. Der Landkreis Ludwigsburg hat deshalb in den vergangenen zehn Monaten große Anstrengungen unternommen, die Zahl der Gemeinschaftsunterkünfte von zehn auf knapp 50 gesteigert und die Platzkapazität im gleichen Zeitraum von 650 auf rund 1200 fast verdoppelt. Auch künftig sind wir, da wir kein eigenes Bauplanungsrecht haben, bei der Unterbringung der Asylbewerber auf die gute Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden sowie die Angebote privater Vermieter angewiesen. Zudem hat der Landrat das Land Baden-Württemberg gebeten, eigene Grundstücke und Gebäude für die Asylbewerber-Unterbringung zur Verfügung zu stellen.

Denn im dicht besiedelten Landkreis ist der Wohnungsmarkt äußerst angespannt. Die Unterbringungssituation stellt sich inzwischen so dramatisch dar, dass der Landkreis im August erstmals eine Fabrikhalle als Notunterkunft mit Asylbewerbern belegen musste. Und es sieht so aus, als wenn der Zustrom von Flüchtlingen nicht abreißt, sondern sogar noch weiter zunehmen könnte. Dennoch sollte die Beschlagnahme von Turn- und Sporthallen das letzte Mittel bleiben, um das Problem zu lösen. In einem reichen, friedlichen und demokratischen Land wie dem unseren sollte es möglich sein, Verfolgte freundlich zu empfangen und menschenwürdig unterzubringen. Dies kann gelingen, wenn alle politischen Ebenen an einem Strang ziehen – und jeder von uns einen Beitrag dazu leistet.                                                                                    Dr. Andreas Fritz