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AKTUELL - Kommentar

Liebe Leserinnen und Leser der Landkreis-Ludwigsburg-Homepage,

in der Rubrik „Aktuell“ finden Sie in loser Folge Kommentare zu wichtigen und interessanten Themen aus dem Landkreis Ludwigsburg - reinschauen lohnt sich also!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
das Team der Pressestelle des Landratsamts Ludwigsburg

Weshalb brauchen wir eine Stadtbahn im Landkreis Ludwigsburg?

Verkehrliche Entwicklung und Problemstellungen

Der Landkreis Ludwigsburg mit der Stadt Ludwigsburg als Schwerpunkt kann auf eine dynamische Entwicklung zurückblicken. Von 2005 bis 2015 stieg die Bevölkerung des Landkreises um rund 3,2 Prozent. Die Entwicklung in den Städten und Gemeinden entlang des Stadtbahnkorridors (Remseck – Ludwigsburg – Möglingen – Markgröningen) war mit einem Bevölkerungszuwachs von über 5,7 Prozent noch dynamischer. Die Bevölkerung im Kreis Ludwigsburg ist inzwischen auf insgesamt fast 530.000 Einwohnern angewachsen.

Allein die Zahl der täglichen Ein- und Auspendler im Landkreis erhöhte in den Jahren von 2011 bis 2013 um 4 Prozent auf rund 142.000 Pendler. Für die Stadt Ludwigsburg erhöhte sich diese Zahl um über 5 Prozent auf rund 53.000 Pendler pro Tag.

Nach allem was wir wissen, wird sich diese Entwicklung sowohl für den Landkreis als auch für die Stadt fortsetzen. Bis 2025 erwarten die Statistiker eine Bevölkerungszunahme im Landkreis auf rund 557.000 Einwohner (+ 4,9 Prozent). Im Stadtbahnkorridor rechnet das Statistische Landesamt mit einer deutlich größeren Zunahme. Dort geht man von einem Bevölkerungszuwachs von fast 10 Prozent bis 2025 aus. Dies führt auch unmittelbar zu einer Zunahme des Verkehrs. Bekanntlich ist jedoch unsere Verkehrsinfrastruktur am Limit. Wir haben nur wenige Möglichkeiten, um die Verkehrssituation deutlich zu verbessern.

Beim Straßenbau stoßen wir an finanzielle und vor allem auch an räumliche Grenzen. Das zunehmende Verkehrsaufkommen wird der motorisierte Individualverkehr (MIV) daher nicht bewältigen können. Wir sind deshalb umso mehr auf den ÖPNV angewiesen.

Verbesserungen im Busverkehr setzen wir bereits seit dem Jahr 1991 um. Gemeinsam mit den Städten und Gemeinden haben wir im gesamten Landkreis mit insgesamt fünf Buskonzepten deutliche Verbesserungen vor allem zu den Hauptverkehrszeiten realisiert. Diesen Weg wollen wir auch weitergehen. Allerdings müssen wir gerade in den städtischen Bereichen mit hohem Verkehrsaufkommen genau überlegen, ob der Bus das richtige Mittel für durchgreifende Verbesserungen der ÖPNV-Infrastruktur ist. Die beabsichtigten Verbesserungen müssen auch im Hinblick auf die schon heute vorhandenen Verkehrsbeeinträchtigungen durch den Individualverkehr realisierbar sein.

Verkehrsraum Remseck – Ludwigsburg – Möglingen – Markgröningen

Wir können im Landkreis verschiedene Räume definieren, in denen das große Verkehrsaufkommen Verbesserungen im ÖPNV schwierig macht. Der zentrale Bereich in und um die Kreisstadt Ludwigsburg zählt dazu. Nach unserer Einschätzung drängt sich daher für die Verkehrsachse Remseck – Ludwigsburg – Möglingen – Markgröningen die Umsetzung einer leistungsfähigen Schienenlösung geradezu auf.

Die Fakten sprechen für sich:

1. Der Anteil der ÖPNV-Fahrten an allen zurückgelegten Wegen, der so genannte Modal Split, ist in der Stadt Ludwigsburg schon relativ hoch. Diese vergleichsweise hohe Nutzung des ÖPNV wurde in den Untersuchungen auch unterstellt, dennoch erreichen die vom Landkreis und den Anliegerkommunen gemeinsam untersuchten Stadtbahnvarianten in der Standardisierten Bewertung sehr gute Nutzen-Kosten-Verhältnisse mit Werten bis zu 1,5. Daraus lässt sich ableiten, dass mit einer Stadtbahn also selbst dort mit erheblichen Fahrgastzuwächsen für den ÖPNV zu rechnen ist, wo es bereits heute ein gut funktionierendes Busnetz gibt.

2. Wie schon dargelegt, stößt der Ausbau des Straßennetzes an seine Grenzen. Steigende Verkehrsbedürfnisse müssen daher mit anderen Mobilitätsangeboten befriedigt werden. Wie bereits erwähnt kann ein Ausbau des Busverkehrs auf verschiedenen Strecken ein richtiger Ansatz sein. Auf den zentralen Verkehrsachsen der Stadt Ludwigsburg, die schon heute eine sehr hohe Belastung aufweisen, ist der Bus die schlechtere Wahl, da er in der Regel den gleichen Restriktionen wie der restliche Fahrzeugverkehr unterliegt.

3. Es reicht aber nicht, den Blick nur auf künftige Verkehrsbedürfnisse zu lenken. Als Beitrag zur Reduzierung der Feinstaub-, Energie- und Lärmproblematik müssen auch Anreize geschaffen werden, den heute bereits vorhandenen MIV durch ein besseres ÖPNV-Angebot zu reduzieren und aus der Stadt herauszuhalten. Ansonsten steht zu befürchten, dass die Städte und Gemeinden durch immer stärkere Restriktionen, die neben dem Individualverkehr auch den Wirtschaftsverkehr treffen, selbst gegensteuern. Auf die aktuellen Diskussionen in der Stadt Ludwigsburg zu LKW-Fahrverboten darf hier verwiesen werden.

4. Durch die Reduzierung des innerstädtischen Fahrzeugverkehrs und eine bessere Erreichbarkeit mit dem ÖPNV wird die Attraktivität der Innenstädte für Bürger und Geschäftsinhaber deutlich erhöht. Für alle Bevölkerungsgruppen, auch für die immer größer werdende Gruppe der Senioren, ergibt sich ein verbesserter Zugang zur Stadtmitte.

5. Die Attraktivität aller angebundenen Gemeinden hinsichtlich der Wohnortwahl wird ebenfalls erhöht. Neben der verbesserten Anbindung an ein Mittelzentrum mit allen entsprechenden Angeboten können Pendler verkehrs- und stauunabhängig zum Arbeitsplatz und wieder nach Hause kommen.

6. Wir müssen ein Verkehrsmittel anbieten, das bei einem ausreichend dimensionierten Platzangebot sehr pünktlich und absolut zuverlässig verkehrt. Dann kann es gelingen, auch neue Kundenpotentiale zu heben. Wir müssen durch ein optimiertes ÖPNV-Angebot auch die Fahrgäste gewinnen, die nicht gezwungenermaßen den ÖPNV nutzen, sondern die Vorteile gegenüber anderen Verkehrsmitteln nutzen wollen.

Eine Stadtbahnlösung ist somit für diesen Verkehrsraum unabdingbar. In verdichteten städtischen Räumen kann mit keinem anderen Verkehrsmittel die notwendige Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit bei gleichzeitig hohem Komfort gewährleistet werden.

Dabei hat aus unserer Sicht ein Hochflursystem entscheidende Vorteile, weil eine Erweiterung des Stuttgarter Stadtbahnnetzes nach unserer Einschätzung deutlich kostengünstiger realisiert und betrieben werden kann als ein völlig neues Stadtbahnsystem im Inselbetrieb. Ein Inselbetrieb, egal mit welchen Fahrzeugen und egal durch welchen Betreiber, verhindert die Nutzung von Synergien schon bei der Planung aber auch beim Betrieb, bei der Vorhaltung von Fahrzeugen und Personal sowie bei der Werkstatt.

Auch für die immer wieder in den Diskussionen vorgebrachten Probleme eines Hochflursystems im Bereich des Bahnhofs Ludwigsburg gibt es technisch machbare Lösungen.

Eine Stadtbahn verursacht kurzfristig viel Aufwand und hohe Investitionskosten bei allen Beteiligten. Langfristig ist sie aber sinnvoll, da ohne einen massiven Ausbau des ÖPNV der motorisierte Individualverkehr und damit die Überlastung unseres Straßennetzes immer weiter zunehmen wird. Die Folgen sind Staus und immer stärkere Umweltprobleme. Es ist deshalb erforderlich, nachhaltige und leistungsfähige Lösungen zu suchen und auch umzusetzen.

Die Umsetzung der Stadtbahn Ludwigsburg ist eine hervorragende Entscheidung für die Zukunft von Stadt und Landkreis Ludwigsburg.

Die jetzt beschlossene Voranmeldung ins GVFG-Bundesprogramm ist ein wichtiger Schritt für die Sicherung künftiger Fördermittel und muss – nachdem der Bund das GVFG-Programm über das Jahr 2019 hinaus verlängern wird – zeitnah erfolgen. Die Förderquote im Bundesprogramm liegt unverändert bei 80 Prozent der förderfähigen Kosten. Da die Planungskosten, die bis zu 20 Prozent der Investitionskosten betragen können, nicht gefördert werden ist es umso wichtiger, einen starken Partner für die Umsetzung einer Stadtbahnlösung zu finden, der auch die Planung und Realisierung des Projekts stemmen kann.

Deshalb: Wer gegen die Stadtbahn ist, verbaut eine riesengroße Chance zur verkehrlichen Entwicklung und Zukunftsfähigkeit von Stadt und Landkreis Ludwigsburg.